Eine Zeitreise 1918 - 2018 " Ist Heute Wieder Gestern? "

Das Projekt möchte zum einen, junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und den Drittländern ansprechen, sich aktiv an der Bildung und Entwicklung eines friedlichen Dialogs über nationale Grenzen hinweg zu beteiligen. Es soll gemeinsam Wege und Strategien erschließen und diesen für die Zukunft etablieren - sei es über Dokumentation oder über Multiplikation durch die Teilnehmer am Projekt. Die Teilnehmen werden das abenteuerpädagische Mittel des individuellen Reisens als elementare Lern- und Lehrmethode für die eigene persönliche und zivilgesellschaftliche Entwicklung entdecken.
Andererseits möchte das Projekt so viele Menschen wie möglich unterwegs, in Ihren Ländern und Lebenssituationen, erreichen, um sie zum Dialog, Erfahrungsaustausch, kritischer Analyse, Zukunftsträumen und auch zum Lachen zu bringen. Es möchte sie einladen, zu der Entwicklung eines PeaceGuides teilzunehmen - aber auch ihren Blick schärfen für die Vergangenheit und ihre Fehler. 
Datum des Projektes:
09. Juli 2018 bis 23. Juli 2018

Veranstalter

Grüner Grashalm e.V.
E-Mail: Projektorte:
Von-Kohlbrenner-Straße 10, 83313 Siegsdorf
83313 Siegsdorf,
DE

Projektbeschreibung

Wieder werden sich junge engagierte Menschen aus Frankreich, Deutschland und Drittländern auf den Weg machen - mit Bus, Bahn, zu Pferd, zu Fuß und per Anhalter - um der Geschichte Europas und ihrer Folgen zu begegnen. Diesmal führt sie ihre Reise auf den Balkan, wo alles 1914 mit dem Attentat auf Franz Ferdinand begann und über welchen heute Millionen ihren Weg nach Europa suchen. In kleinen Gruppen reisen sie zu geschichtsträchtigen Orten in Bosnien, Kroatien, Montenegro und Kosovo. Hier werden sie sich mit lokalen BewohnernInnen austauschen, junge Menschen treffen, die neue Projekte auf den Weg bringen, Museen und Denkmäler ausfindig machen und ergründen, wie ausgeprägt das Geschichtsbewusstsein in dieser Region ist. Gleichzeitig findet ein konstanter Bezug zum Heute statt in Form von Treffen mit Flüchtlingen, Grenzschützern an den neu errichteten Zäunen (z.B. Ungarn) und Menschen, die aktiv an der friedlichen Lösung der Migrationsbewegungen arbeiten. Diese Verknüpfung soll Fragen aufwerfen und Beantworten, die für unsere Gesellschaft zum heutigen Zeitpunkt von großer Wichtigkeit sind: Wie ist der Zusammenhang zwischen dem geschichtlichen Ereignis und heutigen Ereignissen? Wie wichtig ist bürgerschaftliches Engagement? Wie gehen die Menschen heute mit dem Erbe der Vergangenheit um? Das Projekt will einen Online-Guide zum Thema Frieden entwickeln, der kontinuierlich erweitert werden kann. Ebenso wird das dokumentarische Material, welches entsteht, der letzte Baustein sein für den angestrebten Film “Ist Heute wieder Gestern? - Europa an allen Fronten 2014 - 2018”.

Programm

  • 7 Juli  -  Ankunft Vorbereitungsteam - Siegsdorf, Traunstein
  • 8 Juli - Vorbereitung für Team und Organisation von Unterkunft
  • 9 Juli - Anreisetag für die TeilnehmerInnen
  • 10 Juli - Projekt Einführung, Kennenlernen, Regeln,  Ängste/Hoffnungen/Beiträge
  • 11 Juli - Wanderung durch die Voralpen, Bildung von Reisegruppen, Routenplannung, Methode für schnelle Entscheidungen, Interview von den TeilnehmerInnen für den Film, Geschichte Workshop - die Erste Weltkrieg und die Balkan Länder
  • 12 Juli - in Kleingruppen nach Ljubljana reisen. 300 km
  • 13 Juli - Ankunft - Ljubljana, Slobenien. Teilenrunden - Reisegeschichten. 
  • 14 Juli - Workshop mit Peace Institute
  • 15 Juli - In Kleingruppen nach Zagreb, Kroatien reisen - 140 km.  Projekt mit Center for Peace Studies
  • 16 Juli -  In Kleingruppen nach Slavonski Brod reisen, 190km 
    Ankunft - Slavonski Brod, Kroatien. 
  • 17 Juli -  Besuch des Flüchtlingslagers mit HSUST and Center for Peace Studies.
      Reflektion der persönlichen Reise im Vergleich mit Flüchtlingsreisen
  • 18 Juli -  In Kleingruppen nach Sarajevo reisen, 215km
    Ankunft - Sarajevo, Bosnien und Herzegovina.
  • 19 Juli -  Zusammen mit dem Post-Conflicht Research Center, Besuch der wichtigen Orte in der Kriegs- und Friedensgeschichte
  • 20 Juli -  In Kleingruppen nach Gračanica reisen, 430km
  • 21 Juli - Ankunft,  Gračanica, Kosovo.  Treffen mit GAIA
  • 22 Juli - Reflektion, Abschlussrunde, Interviews
  • 23 Juli - Abreise

So lief das Projekt

Am 9 Juni haben wir uns in Siegsdorf, in einer kleinen Stadt im Süden Deutschlands getroffen. Wir waren 28 Menschen aus den unterschiedlichen Ecken der Welt. Nach zwei intensiven Tagen in Siegsdorf, wo wir uns kennengelernt haben, uns mit der Idee des Projektes vertraut gemacht haben und Workshops zum Thema "Trauma in der Psychologie und in der Geschichte", Grundlagen des Interviews und der Photoaufnahme besucht haben, sind wir früh am Morgen aufgestanden, haben letze Vorbereitungen getroffen und die Reise hat begonnen. 
Wir haben uns in Gruppen von 2,3 oder 4 Personen aufgeteilt. Jede Gruppe hatte mindestens ein Gerät für die Photo- und Videoaufnahme. Jeder/jede von uns hat ein Hitchhiker's Guide gekriegt. Es war ein kleines Buchlein, vorbereitet von den LeiterInnen, wo alle wichtigen Informationen zusammengestellt wurden. Drin stand z.B. eine Beschreibung der Route, Adressen, Empfehlungen, welche Orte besucht und welche Menschen angesprechen werden können, detailierte Karten der Gegend, die Regeln des Trampens (was berücksichtigt werden muss), eine kurze Anleitung zum Interviewen und ein Wörterbuch mit den Phrasen, die auf Slovenisch, Serbisch, Kroatisch, Bosnisch gesagt werden könnten, falls es mit Englisch schwer geht. 
Wir waren zu zweit in der Gruppe. Jede von uns hat schon einige Erfahrungen mit Trampen gesammelt, aber man entdeckt immer wieder was neues in der Menschen um dich herum, und in dir selbst wenn man sich auf diese Art vom Reisen einlässt. Für mich ist es eine kurze Version vom Leben. Man macht Planen, aber man kann nicht alles voraussehen, vorplanen. Man ist Eins, das Selbst, Ich, aber auch man ändert sich, und ich von gestern ist nicht mehr identitsch mit ich heute. Im Laufe des Lebens fällt es nicht so prägnent aus, was beim Reisen, beim Trampen besonders bemerkbar wird. 
Man steht auf der Straße, mit dem Finger nach oben, mit einem Lächeln. Ein offenes menschlisches Wesen. Ich habe mich ab und zu sehr verletzlich gefühlt. Ich stehe da und warte und verlasse mich auf die Menschen, die ich nicht kenne, die eine Sprache sprechen, die ich nicht spreche. In diesem Moment kommen widersprüchliche Gefühle. Weil es nicht immer der Fall ist, dass ich willkomen bin, dass ich freundliche Blicke sehe, dass ich hilfsbereite Menschen treffe. Es scheint mir manchmal, dass meine verletztliche Offenheit für einige Menschen unbehaglich, sogar unheimlich ist. Dann frage ich mich, ob es ein Schutzmechanismus für sie, weil sie selbst Angst haben, sich zu öffnen, ihre stabiles Selbst zu verlieren. Ich bin weiß, ich bin eine Frau mit einem europäischen Aussehen. Was würde anders sein, wenn ich "anders", "fremd" aussehen würde? 
Diese Eindrücke wurden aber überschattet. Und das freut mich sehr! Wir haben viele Menschen getroffen, die offen, freundlich, hilfsbereit und menschlich waren. Menschlich im Sinne der Universalität eines Mensch-Seines. Es gibt keine Fremde in ihren Welten, es gibt nur die, die anders aussehen und anders sozialisiert wurden, und sie sind neugirieg, diese Diversität kennenzulernen. Das war auch einer der Gründe, warum wir immer wieder genommen wurden. Die Menschen hatten ein Interesse, unsere Geschichte zu hören. Was treibt uns? Warum trampen wir? Was bewegt uns? So haben wir viele Menschen getroffen, die mit uns ihre Geschichten geteilt haben. Wir hatten viele spannenden bereichernden Diskussionen geführt und wurden mehrmals nach Hause eingelafen, wo wir zusammen gekocht haben und unsere Erfahrungen ausgetauscht haben. 
Unterwegs nach Sarajevo, haben wir ein Festival in Italien Tepee Tal Parco besucht. Das Festival hat Meschen zusammengebracht, die für Umweltschutz, Offenheit , Gastfreundlichkeit und Frieden sich eingesetzt haben. Während Dasha und ich in Italien für ein Paar Tagen geblieben sind, war unsere Gruppe über Österreich, Slovenien und Croatien verstreut. Unsere Gruppe der FriendensvermittlerInnen. 
Dann haben wir ein unabhängiges Wohnzentrum in Zagreb besucht. Wir haben mit Menschen über Nationalität, Kultur, Frieden und Krieg, kulturelle und nationale Identität, über Träume und über Musik, über Farben und über Spiele. 
Nachdem wir alle in Sarajevo uns getroffen haben, hatten wir 2 Tage, um die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen. Viele Interviews wurden gemacht, viele Gespräche geführt. Das ist eine Stadt voll von den Schatten der Vergangenheit. 

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